Spring is in the air ...und ein paar Regentropfen auch
- renatowinteler2
- 11. März 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. März 2025
Seit gut einer Woche hausen wir in Sooke, einem kleinen Dörfchen westlich von Victoria, auf Vancouver Island. Es ist mit Abstand die beste Wohnung, welche wir seither hatten, was auch gut ist, da wir hier über zwei Monate bleiben werden. Von unserem Balkon aus sehen wir direkt aufs Meer, besser gesagt, eine Lagune, in welcher offenbar regelmässig auch Orcas vorbeigucken...
Sooke ist für uns nach Calgary der zweite, grosse Halt, an welchem wir möglichst "normal" wohnen wollen und unseren Alltag pflegen. Für die vergangenen Tage bedeutete das, Andrea geht ihren Studien nach und die Kinder gehen täglich zu mir in die "Schule".
So steht bei den Kindern ab und zu auf dem Tagesplan: Padleteintrag.
Falls sich bis anhin jemals jemand gefragt hat, was sich hinter den padlets auf der Homepage versteckt, so sind dies Passwort geschützte Bereiche, auf welchen die Kinder ebenfalls hin und wieder "bloggen". Sie können sich so mit Freunden und Bekannten gut austauschen. Diese padlets sind keiner Gruppe vorbehalten, falls du dich also auch für eine padlet-Seite interessierst, dann schreibe uns einfach eine E-Mail, damit wir dir das Passwort zukommen lassen können.
In Sooke ist Frühling, das heisst die Temperaturen bleiben immer über 0 Grad. Wenn nicht grad ein arktischer Wind weht, dann wird es angenehme 14 Grad warm. Die Temperatur ist recht unabhängig von der Witterung, was auch gut ist, da es etwa fünf von sieben Tagen regnet. So stehen uns nach der Schule jeweils die folgenden Möglichkeiten zur Verfügung: Museumsbesuch, Wanderung, Strand, kombiniert mit Shoppen, Birden, OL-Laufen usw. Bis jetzt ist jeder "ausserschulische Lernort" einfach wahnsinnig schön gewesen.
Die grosse Niederschlagsmenge hinterlässt seine Spuren deutlich in den Regenwäldern. Bäume sind bis zur Krone mit Moos bedeckt, der Boden ist immer schön weich. Riesige Lebensbäume säumen die Wege, der Untergrund ist mehrheitlich undurchdringlicher Dschungel. Alle Wanderungen sind gefüllt von "ohh" und "lueg ämal".
Bis jetzt hatte erst das Royal BC Museum in Victoria unsere Aufwartung. In einer Sonderaufstellung wurden Naturfotografien prämiert. Irrsinnige Naturfotos brachten uns zum Staunen. Die Dauerausstellung zur Urgeschichte der Erde sowie der naturkundlichen Gegebenheiten und Veränderungen vom Fraser Becken, war sehr kindersnah und interessant aufgebaut. Zu guter Letzt konnte man noch in ein Victoria vor 150 Jahren eintauchen. Nachgebaute Handwerksstuben dufte man begutachten und es stellte sich schon bald die Frage, wie viele Ur-Ur-..-..Grosis es waren, welche damals so gelebt hatten.
Die Anziehungskraft des Meers ist immer noch riesig. Für die Kinder ist dies erst die zweite Gelegenheit, das Meer zu erleben. In der Nachmittagsschule verbringen wir oft die ganze Zeit an einem Strand. Diese sind zum Teil sehr steinig, dann wieder sandig und jedes Mal ist es übersät mit Treibholz. Bizarre Formen bilden schöne Fotosujets, das Standholz ist ideal als Schnitzholz zu gebrauchen.
Bei all unseren Ausflügen ist natürlich immer der Feldstecher und das Teleobjektiv dabei. So konnten wir schon bei unserm ersten, kleinen Ausflug Otter in einem Mündungsdelta bei der Nahrungssuche beobachten. Nun kommen auch langsam die Zugvögel zurück und birden wird anspruchsvoller. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut die Kinderaugen auf Wildtiere geeicht sind. So entdecken sie oft als Erstes die Robbe im Wasser, den Weisskopfseeadler auf der Baumkrone oder den Specht am stehenden Totholz.
Ein Naturerlebnis war dann auch Sonderklasse - wenn auch recht brutal. Anna-Lena, Tiemo und ich spielten mit Treibholz und Steinen Baseball an einem Strand, als Anna-Lena plötzlich einen Seeotter entdeckte, der direkt vor unseren Augen vorbeischwamm. Da die nahen Klippen auch für uns zugänglich waren, holte ich sofort die Kamera und legte mich auf die Pirsch. Tatsächlich stieg der Otter vor meinen Augen mit etwa zehn Meter Abstand auf die Klippen. Und nun erkannte ich, was da tatsächlich ablief. Unter seinen Pfoten und in seinem Maul, zog er einen Mittelsäger mit und versuchte diesen zu töten - was irgendwie nicht gelang. Als er durch etwas abgelenkt wurde, entwischte ihm der Vogel, der aber schon so verletzt war, dass er nicht weit kam. Der Otter zog ihn wieder auf die Felsen, war aber recht erfolglos, diesen zu töten oder zu fressen. Der nächste Fluchtversuch war erfolgreich und wir mussten zusehen, wie ein Flügel lahmer Mittelsäger davonzog. Wusch! Ein Schatten flog über uns und ein Weisskopfseeadler packte sich den Vogel und trug ihn davon. Sehr eindrücklich - aber irgendwie auch beruhigend für die Kinder, dass der Säger nun nicht mehr länger leiden musste.
Die Bären sind nun wach, doch blieben sie bis heute unseren Augen verborgen. Fürs Joggen stellt dies für manche eine leichte Hemmung dar, weshalb wir nun eher im Dörfchen joggen gehen. Neu haben wir begonnen, mit der ganzen Familie eine oder auch zwei Runden durch ein wunderschönes Gebiet zu machen. Wir geniessen es sehr, dass hier nun nach den Grossstädten mit viel Teer und 0 Höhenmetern endlich auch wieder Wurzeln und Höhenmeter in den Strecken möglich sind.
Abends schauen Andrea und ich regelmässig CTV News. Zum einen kommen hier täglich Diskussionsrunden zu aktuellen politischen Themen (Power Play) sowie die aktuellsten News des Tages. Neuigkeiten aus Europa sind ganz selten. Ausser den Wahlen in Deutschland ist bis heute noch keine Nachricht bis nach Canda gekommen. In Canada wurde am Sonntag ein neuer Ministerpräsdident gewählt. Nebst dem, dass dieser wohl bald Neuwahlen ausrufen wird, ist das Verhalten des Präsidenten südlich omnipräsent. Der neue Slogan, ganz im Sinne eines ehemaligen Eishockeyprofis, lautet hier in Canada: "Elbows up!"
Wir hoffen, euch allen geht es gut und grüssen herzlich!
(Renato)










































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