Orienteering - unser wöchentliches Ritual
- renatowinteler2
- 24. Mai 2025
- 4 Min. Lesezeit
Wir haben unseren Lebensalltag nach Canda verschoben und ganz vieles hat sich dadurch verändert. Eigentlich fast alles läuft irgendwie anders als zu Hause, nur eines bleibt immer noch gleich: unsere Leidenschaft für Orienteering!!
Andreas Arbeiten während ihrem sabbatical haben uns schon an manche Ort gebracht, doch seitdem sie selbständig am Arbeiten ist, sind wir viel mobiler und freier in der Planung. Das hat uns dazu gebracht, dass wir einem roten Faden - dem Orienteering- folgen.
Die Trainings auf Vancouver Island haben uns wunderschöne Gegenden näher gebracht, die Angst vor den Bären jedoch oft noch auf Parkskarten trainieren lassen.
Seit wir im RV unterwegs sind, versuchen wir also die Trainings oder Wettkämpfe der hiesigen (6) Vereine anzupeilen. Wohlgemerkt, zwei Vereinszentren liegen mindestens 3.5h Fahrzeit auseinander (also mehr als Weinfelden - Genf).
Zum ersten Mal schafften wir es im Okanagan Valley an einem Training teilzunehmen. Der bürokratische Plunder dafür war gewaltig. Pro Person mussten wir eine etwa drei A4 seitige Erklärung unterschreiben (Certificat Medical ist heilig dagegen). Fragt mich nicht, um was es darin ging. Auf jeden Fall haben die Veranstalter nur den Kopf geschüttelt und sich mehrmals entschuldigt, dass auch in Canada die Juristen an der Macht seien.
Das Training war das erste richtige Waldtraining. Da ich relativ zügig nach dem Postensetzer startete, hielt sich im Hinterkopf doch hartnäckig die Vorstellung an verschiedene Säugetiere mit Krallen, welche hier eben auch heimisch sind. Das Training war sehr cool, die Karte nicht mehr ganz neu, aber es hat einfach Spass gemacht, wieder einmal "richtig" OL zu laufen. Leider habe ich den Postensetzer überholt und dann gleich mehrere Posten gesucht, bis ich es gemerkt hatte...
Die Veranstalter hatten so Freude, dass wir kamen, dass sie uns gleich noch eine weitere Karte aus der Gegend mitbrachten, welche wir unbedingt auch noch laufen sollten, was wir natürlich machten und extrem genossen. Mega cooles Relief in einem von Autobahn und See abgeschnittenen Wald - also kaum Gefahr vor Bären.
Das Thema Bär hat uns oft interessiert und ausnahmslos alle OL-Laufenden hatten bereits Begegnungen mit Bären - doch noch nie war eine solche irgendwie prekär gewesen. Alle sind einstimmig der Meinung, dass wir so laut sind, dass der Bär sich frühzeitig zurückzieht. Eine OL-Läuferin hatte einmal eine schwierige Begegnung, als sie mit dem Bike unterwegs war und nach einer Kurve fast in einen Schwarzbären reingefahren war. Dieser sei aber so erschrocken, dass er sofort auf einen Baum geflüchtet war...also keine Bären, eher Schisshasen!
In Kimberley hatten wir die nächste Chance auf ein Training. Dieses Mal war es ein Score-OL auf einer Sprint-Wald-Karte in einem Skiresort. Wieder ein grosser Genuss und wieder waren die Organsierenden richtig erfreut, dass wir kamen (gut, wir machten oft auch fast die Hälfte aller Teilnehmenden aus.)
Da hätte es noch eine Top Karte gehabt. Leider liess es Andreas Arbeitsplan nicht zu. So kamen langsam die Albertameisterschaften in der Nähe von Edmonton näher, für welche wir uns angemeldet hatten.
Allgemein Sport nutzen wir als Ausgleich zum Alltag. So gehören auch regelmässige Joggingrunden oder ein gemeinsames "Krafttraining" zu den wöchentlichen Sportstunden.
In Calgary konnten wir uns nochmals auf die Meisterschaften vorbereiten. In einem Training in einem wahnsinnig grünen Wald und während eines Gewitters, konnten wir unsere Physis unter Beweis stellen. Es ging nämlich fast die ganze Sprungsschanze hoch.
Im Januar wollten wir auf dem Nose Hill (Hausberg in der Stadt mit super Skylinesicht) schon ein Training machen, mussten aber wegen den hohen Minustemperaturen forfait geben. Wir wollten aber auf dieser Karte unbedingt nochmals ein Training machen, was wir auch vor der Abreise nach Edmonton hinkriegten. Das Laufen in knietiefen Altgraswiesen war sehr beschwerlich, das Navigieren auf der 15'000 Karten nicht mehr so gefestigt. Aber es machte einfach Spass.
Dann kamen die Meisterschaften - wir waren natürlich nicht Medaillien berechtigt angemeldet. Im Vorfeld waren wir etwas beunruhigt, da wir vergessen hatten einen Zeltplatz zu reservieren, als wir irgendwann mitgekriegt hatten, dass die Veranstaltenden nichts organisieren würden. Zudem wurde nie eine Startliste aufgeschaltet, was die Planung mit Tiemo auch nicht gerade vereinfachte.
Schliesslich kam sie doch noch, die Startliste und siehe da. Die Mehrheit hatten es mit KonkurrentInnen aus der gleichen Familie zu tun. Sie hiessen alle "vakant".
Da wäre es auch nicht super nötig gewesen, so früh an den Wettkampf zu reisen, um möglichst nahe parkieren zu können, wenn nebenan mit rund 15 Autos die restlichen Teilnehmenden ausstiegen.
Gesamthaft sind dann etwa 35 Personen die Meisterschaften gelaufen, also etwa gleich viel, wie an einem Mittwochtraining.
Aber hey, was die geboten haben, das war einfach grossartig! Eine mega coole Karte mit wenig abgegrasten Altweiden, gespickt mit Sümpfen, Biberseen und kleinen kaum durchdringbaren Wäldchen. Es war wahnsinnig streng zu laufen, als würde man an einem Sandstrand rennen. Genaues Navigieren und sauberes Relief lesen war gefragt. Die Seen auf der Karte waren zum Teil ganze Wälder mit stehendem Totholz, welche einfach in einem Biberweiher standen. Echt cool - und immer mal wieder ein Blick wert während des Rennens.
Alle waren schliesslich klassiert und hatten gewaltigen Spass. Die Wettkampfleiterin war in der Zwischenzeit Leibchen auftreiben gegangen, welche sie uns kurzerhand schenkte. Auch war es für sie selbstverständlich, dass die Mädchen eine Medaillie bekommen müssten.
Zudem war die Festbeiz ein BBQ mit Gratisbedienung. Schon die Zielverpflegung mit Orangen, Melonen, Bananen, Cookies, Pommes Chips, Gummibärchen und vielem mehr hat uns staunen lassen. Doch dass gleich alle Teilnehmenden zum BBQ einegladen werden - das ist Canada!
Andrea und ich mussten dann die Langdistanz am Tag darauf auf einer 1:15000 Karte meistern - ja, wir werden langsam alt...
Der Verein wollte dann unbedingt, dass wir am Mittwoch darauf nochmals an ihr Training kommen würden, was wir sehr gerne machten. Der Austausch war so herzlich und wohlwollend, ein älterer Herr wollte uns gleich bei sich unterbringen, einfach unglaublich.
Wir haben einen Finnen mit seiner Frau und Kindern kennengelernt, der 9 Jahre lang in Winterthur als Ingenieur gearbeitet hat. Wir haben Peter McKenzie kennen gelernt, der ein Jahr lang wie der grosse Bruder von Marc Lauenstein war, da er mit Stephan einen Austausch machte (Stephan war 1 Jahr in Calgary und er bei den Lauensteins in der CH). Klar lernte er Französisch aber er beherrschte alle Siganturen auf Deutsch "Rrrrinnengabelung usw." weil die Textform in der Schweiz immer auf Deutsch war.
Nun wird es wohl etwas schwieriger mit OL laufen - es kommen langsam aber sicher die Grizzlys dazu. Auf jeden Fall haben wir bereits die Fühler nach Yukon ausgestreckt, auch da finden bald Meisterschaften statt. Mal schauen, ob uns Andreas Studienreisen bis dahin bringen werden. Wäre natürlich mega cool!
(Renato)






































































Sehr cool! Die Fotos geben glaub auch einen guten Einblick in euer OLleben! Danke!