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On the road

  • renatowinteler2
  • 3. Mai 2025
  • 9 Min. Lesezeit

Manchmal fällt der Anfang schwer beim Schreiben. Doch dieses Mal, ja wie soll ich sagen, beginne ich wohl mit einer kleinen Anekdote, gefolgt von der freundlichen Angewöhnung an ein viel zu grosses Monster und dem Abspann, weshalb ich ständig beim Schreiben vor und zurück schwanke.


Die zwei Monate in Sooke waren sehr leehrreich in Sachen Automobilität und Canada. Also sie waren teilweise leer, haben etwas gelehrt und waren zusammen eben doch reich an Erfahrungen. Durch die wohl fehlende Nachfrage in der verregneten Frühlingssaison, wurden wir bei der Automiete während unserer Zeit hier auf der Insel mit einem Upgrade auf ein SUV belohnt. So war es aber auch etwas mühsamer mit der Parkplatzordung in den Parkhäusern sowie den Lebensmittelläden, welche die Parkplätze leider klar für "small cars" reservierten und wir dadurch jedes Mal mindestens in den 5. Stock rauffahren oder am Ende eines jeden Parkplatzes parkieren mussten. Es dauerte eben so seine Zeit, bis auch wir merkten, dass wir mit unserem Upgrade immer noch deutlich und klar zu den "small cars" gehörten.


So wurden Diskussionen, wie unsere zukünftige Mobilität in der Schweiz aussehen wird, völlig ausgebremst, weil wir grad dermassen das Verhältnis von Strassenbreite, Parkplatzgrösse und eben Automaschine verloren haben.


Es kam der Tag, an welchem wir unseren Camper (=RV) in Empfang nahmen, weil wir uns langsam aber sicher auf den letzten Abschnitt unseres Abenteuers begaben.

Zum Glück dieses Mal kein Upgrade, mutmassten wir doch während zweier Monate, wie lange wohl unser Koloss mit seinen acht Metern sein würde. Da stand es also und wartet darauf, von uns wohlwollend aufgenommen zu werden.


Also, Moment, zuerst musste ich einer weit über eine Stunde dauernden Einführung über alle möglichen Gadgets beiwohnen. Wieso denn eigentlich nur beiwohnen? Nun gut, mein Englisch hat es leider nach wie vor nicht übers "young world 4" (Englisch Lehrmittel der 6. Klasse) rausgeschafft, in welchem dummerweise kein Kapitel von einem RV erzählt. Das nötige sprachliche Verständnis zu praktisch allen Tasten, Hebeln und Funktionen, wäre sicher sehr spannend und eventuell auch nötig gewesen, zum Glück weiss man das immer erst später oder wenn man noch mehr Glück hat, gar nie. Als kleine Anmerkung erlaube ich es doch auszusprechen: Mein sprachliches Entwicklungspotential war nur die eine Seite meiner Unkenntnis - die zweite wäre dann mein komplettes technisches Knowhow, das zu diesem Zeitpunkt gerade nicht auffindbar war.


So kam es also, dass es sich in meinem Kopf während der ganzen Einführung einfach immer nur um den Film "Transformer" drehte (Das ist ein Science Fiction Film, bei dem Roboter aus einem technischen Planeten auf die Erde kommen und sich wahnsinnig schnell in Autos verwandeln können - hab ich mir erzählen lassen).


Ich war dermassen beeindruckt, dass ich wohl zum falschen Zeitpunkt "Yes" gesagt hatte, da nämlich der wirklich sehr freundlich Herr mit wirklich sehr starkem chinesischen Akzent mir die Schlüssel in die Hand drückte, freundlich lächelte und mir eine gute Reise wünschte.


Die Reise endete wieder im Büro, da der Schlüssel, den ich als Erstes verwendete, im Schloss abbrach - was mich vielleicht hätte etwas stutzig machen müssen- oder spätestens dann, als der immer noch sehr nette und freundlich Herr, nun aber neu auch sehr schwitzende Herr, wieder zum RV kam und mir versicherte, dass dieser Schlüssel wirklich nur zu einem früheren Sicherheitsfach gehörte, das sie aber mittlerweile ausgebaut hätten.


Zu meiner Verteidigung, eben nicht stutzig geworden zu sein, muss ich doch anfügen, eben auch sehr froh gewesen zu sein, dass dieser nicht merkte, dass ich eben der Schlüsselzerbrecher war und in der kurzen Zeit, als er in seinem Büro zu schwitzen begann, da er den Schlüssel nicht kannte, ich schwitzend meinen Superwerkzeugschlüssel ausbuddelte und den abgebrochene Schlüssel fein säuberlich aus dem Schloss herauszog, um dann nur noch nervöser zu werden, mit eben diesem verbotenen Teil im Hosenack, dem netten freundlichen Herrn nett und freundlich zu erwidern, dass das doch kein Problem wäre.


Das war nämlich meine einzige Hose und ich hatte wirklich Angst, dass es mit diesem scharfen, abgebrochenen Schlüssel hätte zu einem Riss in meinen Hosensack kommen können. Nicht auszudenken, wie man während 90 Tagen in einem RV mit einem Riss im Hosensack der einzigen Hose einen kaputten Schlüssel am Schlüsselbund eben in diesem Hosensack sicher verwahren könnte.


Die Reise begann also vielversprechend, waren schliesslich und endlich alle noch immer freundlich, wenn auch schon etwas schwitzend, was sich im weiteren Verlauf noch steigerte, musste ich doch nicht mitbekommen haben, wie man dieses Mittelklasse Motorhome starten musste. Dank der Klimaanlage in seinem Büro, schwitzte der sehr freundlich Mann nun sicherlich etwas weniger als ich, denn irgendwann merkte auch meine Tochter auf dem Beifahrersitz, dass ich tatsächlich nicht mehr nur den Rückspiegel einstellen, den Blinker testen, den Scheibenwischer ausprobieren wollte - sondern nicht wusste, wie dieses verd.. Ding zum Fahren gebracht wurde.


Diese Momente im Leben sind unendlich, langsam steigen die Stresshormone, der Körper will nur noch flüchten, die Vernunft sucht nach der logischen Folge jedes weiteren Schrittes - und du stehts neben dran und schaust möglichst klug doof aus der Wäsche.


Wenige Lesende kennen DEN Dacia aus einem Dorf im Weinland südlich der Thur. Ein Auto, so glaube ich. Man konnte es zum Fahren bringen, wenn man sich ihm vorsichtig annahm. Und vorsichtig bedeutet mindestens ein Aufheuler, der die gesamte Nachbarschaft aus dem Bett holte und mindestens zwei Versuche zum Starten. Eine Kunst von einem Auto - DIESER Dacia. Meine kleine Odie brachte das RV auch nicht zum Laufen, immerhin konnte ich es schon zum Aufheulen bringen - wie DIESEN Dacia.


Die Gangschaltung neben dem Lenkrad, normale Autos haben dort den Scheibenwischer, ist auch heute noch ein Gewürge. Das "D" lässt sich kaum finden, man hüpft also ständig von "N" auf "M" und ich bin sicher, in 90 Tagen weiss selbst ich, was das "M" bedeutet.


So tuckerten wir also heimwärts und, hej Leute, für 90 Tage ist dies nun unsere Wohnung, wir nennen es liebevoll "TD" (sprich TiDi (Manche schreiben es auch pflichtbewusst noch lautgetreu)) und bedeutet unser "Transformer Dacia"!


Unser RV ist ein Ford, und in der Fahrerkabine ist es so laut, dass man sich beim Sprechen nicht versteht, was z.T. schon auch Vorteile hat, falls man einem Gespräch etwas fern bleiben möchte. Es sei denn, das Gegenüber, in diesem Fall eher das Nebenan, weise auf den korrekten Weg hin, was Schreibender eben nicht mitbekommt, jener aber als soziale, nonverbale Kommunikation auffasst und es gerne zu Ende diskutieren möchte, was jener wenig interessiert, da er nun in der Sackgasse ein acht Meter Vehikel wenden muss, was dieser wiederum keine gute Idee findet, es sein denn, jemand würde sich zum Einweisen zur Verfügung stellen, was in der aktuellen Emotionalität der einen Person, eventuell gar beider Personen, eine Schwierigkeit birgt, weil enervierte Menschen häufig dazu tendieren, die Hände in die Luft zu halten, vielleicht um besser verstanden zu werden, worauf der Fahrer sich überlegt, wie man mit einem Ford rückwärts in die Luft fliegen kann, möchte er doch die einweisende Person nicht verletzen oder gar einen Streit verursachen. Da möchte man doch lieber einen "alpeflug go mache".


Unser TD, also der Ford hat wohl vor uns schon so viele Bären überfahren, dass man ihn nur noch einem blauäugigen Mobilityfahrer zumuten kann, welcher eben noch etwas versteht von Auto und Kunst. Und wenn nicht, dann zumindest dies höflich versucht kundzutun, was eben auch nicht immer so gut klappt, es sein denn, es findet in englischer Sparche statt, da er sich dann selbst nicht versteht und mit gutem Gewissen über Autos, die eben Kunst sind, viel erzählen kann. Erstaunlich wieso eigentlich die Zuhörenden dann immer sehr freundlich und nett bleiben und regelmässig auf ein anderes Thema überschwenken, wie z. B. das Wetter.


Acht Meter lang und 4 Meter hoch, die Breite haben wir noch nicht rausgefunden, es passt auf jeden Fall bis heute auf die Strasse, welche noch vor dem RV irgendwie breiter waren.


Das T, vom TD, also der Transformer, oder auf Deutsch vielleicht der Umwandler, das ist spektakulär. Manche Gadgets sind super, bei anderen Apps habe ich den Sinn und Zweck noch nicht raus.


Ich frage mich zum Beispiel, wieso sich der Kühlschrankverschluss beim Fahren automatisch öffen darf und die Eier und der frisch gewaschene Salat in der Kurve Hallo sagen kommen.


Der ausfahrbare Esstisch und die ausfahrbaren Betten sind einfach bombastisch. So hängst du dermassen weit draussen im Bett, dass jeder Windstoss oder jede Umdrehung eines Kindes zu einer netten Erdbebenwohlfühlstunde wird. Einmal angeschwungen, wartetst du gespannt, ob per SMS eine Tsunami Warnung kommt, was glücklicherweise selten der Fall ist. Doch unglücklicherweise führt die Drehung eines deiner Kinder zur Massenbewegung im ganzen Kinderschlag, was dann eher ein gebanntes Warten auf den Wecker bedingt, da du nach all den Umdrehungen pro Kind noch gar kein Auge zugetan hast, vor lauter Schwingungen im Bett.


Das Dusch-App erfreut auch grosser Beliebtheit. Diese Applikation wird im Handout leider auch nicht beschrieben. Ganz genau verstehen wir es auch nicht, wieso der Griff vom Kaltwasser nicht festgeschraubt ist und die Temperaturregelung regelmässig beim Duschen etwas ausser Kontrolle gerät.


Dagegen die Kitchenapplikation ist ausgefeilt, wenn auch noch etwas wenig austariert. Wir müssen es irgendwie noch rauskriegen, dass die Pfannen weniger beim Fahren, als vielmehr beim Kochen aus den Schränken fallen. Praktisch, aber doch etwas zeitabhängig, ob nutzbar oder weniger.



So, jetzt lasse ich mal zwei Zeilen frei und weise darauf hin, dass obiger Text frei erfunden, alle Personen ebenfalls frei erfunden sind, die Kausalitäten ebenfalls frei erfunden sind, wenn vielleicht auch etwas verwandt sind mit allenfalls möglichen Vorkommnissen und lebenden Personen und erlebten Geschehnissen.




So, jetzt lasse ich drei Zeilen frei und weise darauf hin, dass wenn du bis hier hin gekommen bist, auch aufhören darfst zu lesen. Er wird aus meiner Sicht weder besser, interessanter noch lehrreicher. Ich habe einfach das kürzeste Stäbchen gezogen und muss nun diesen Blog schreiben oder so ähnlich.



Grossartig war unser erstes Erlebnis in Tofino, einem kleinen Dörfchen an der Westküste von Vancouver Island. Nachdem wir zwei Monate lang alle Orcas im Pazifik verpasst haben und jedem Einheimischen versicherten, dass auch wir nie einen Wal gesehen haben - man könnte fast davon ausgehen, dass das ein Touristentrick ist, so wie bei den Bären - wobei halt, die habe ich ja auch schon gesehen, wenn auch etwas grösser in Gestalt als gewünscht, so das ich nun glattweg den Faden verloren habe. Kurz und gut, wir mussten wohl oder übel, hmmm, das ist etwas zu zweideutig für einen Ausflug auf dem Pazifik; wir mussten einfach den Kindern einmal einen Wal zeigen - via Whale watching.


Das Angebot ist riesig, sodass eine Woche Internetrecherche nötig wäre um rauszufinden, was Schweizerfamilie wohl als gutes Whale watching empfände. Also entschieden wir ohne Vergleiche, bei der ersten Bude zu buchen. Natürlich ausgebucht, aber wie das Marketingglück so wollte, fand die nette Australierin an der Theke ein freies Schiff zu einer weniger windigen Zeit - was wir natürlich dankbar annahmen, ohne zu wissen, ob eine Australierin tendenziell den Heimatwetterbericht abonniert hat oder den kanadischen. Hej, Pazifik ist Pazifik und Australien liegt doch gleich dort drüben.


Wer einmal ein Bild von GreenpeaceaktivistInnen auf der Rainbow gesehen hat, weiss, wie gut diese gekleidet sind und versteht, wieso wir das andere Boot mit Kabine gewählt haben. Unser Glück vor der Tour, nur eine zusätzliche Touristin kam mit uns auf das Boot - am Ende klärte sich das anfänglich Glück zur logischen Folge des kanadischen Wetterberichtes. Nochmals Glück, wir durften von zwei Steuermännern, Fachmännern, Matrosen profitieren - ich weiss wirklich nicht, was sie waren. Einer war Profi, der andere Anfänger und durfte üben - bis das Boot dann bei der etwas grösseren Welle das Element Wasser verliess - und nach einem kurzen Augenblick des Schweigens, das Meer zwar wieder fand, der Profi aber übernahm.


Dank der kurzen Einführung vor der Tour wussten wir, dass es sowas wie seasick gab und dass es wirklich, also wirklich kein Problem sei, wenn man Mühe bekäme -aber bitte nicht in der Kabine. Nun gut, da fliegen wir also über die Wellen, die Gischt fliegt uns um die Ohren und du versuchst ganz entspannt den Kindern zu erzählen, dass wir mega cool für das Geld auch einen Europaparkeintritt bekommen haben.


Ein Profi wäre kein Profi, wenn er nicht wüsste, wann den Motor zu drosseln um nicht bei jeder grösseren Welle abzuheben und in die nächste reinzudonnern. Das war echt gekonnt, glaube ich - ich lernte mittlerweile die Berggipfel der Insel auswendig, um wenigstens ein bisschen Konstanz in meinem Innenohr zu haben.


Eigentlich schreibe ich ja übers Whale watching, das auch wirklich stattgefunden hat. Und dies in einer Form, welche sogar den Profi aus den Socken warf. Zu Beginn konnte er sich noch wissenschaftlich halten und mit seiner Kamera die Rücken der Tiere fotografieren um sie später eindeutig zu bestimmen. Später jauchzte er gebannt mit seiner privaten Handykamera, als die Grauwale (mindestens 2 Stück) begannen, mit unserem Boot zu spielen.


Eigentlich wurde die Regel klar eingehalten. Er stellte den Motor aus, als wir rund 100m von den Tieren entfernt waren- und wir dachten schon, dass diese 2 Speuze alles gewesen wären - als sie dann an unserem Boot wieder auftauchten, der Profi den Schiffsmotor aus dem Wasser nahm, um die Tiere nicht zu verletzen - und diese Ping Pong mit uns spielten. Fotos? Die Tiere waren viel zu nahe für ein Teleobjektiv...


Es war echt der Wahnsinn! Also die Wale. Die Heimfahrt, naja, der Profi drehte sich um und meinte, die nächsten 10-15 Minuten würden etwas rupig werden - was er bei der Hinfahrt noch nicht gesagt hatte. Die ganze Fahrt dauerte rund 30 Minuten und ich denke, nicht nur die Wale werden wir nie vergessen!


Zurück im Hafen marschierte nun ein Trupp weiterer Whale watching Gäste, zugepackt mit ihren Astronautenanzügen, an uns vorbei zu ihrem Schlauchboot oder so - und ja, der Profi erwiderte meine Frage mit einem klaren: "Auf keinen Fall!" Wir haben sie nie wieder gesehen. Auch nicht auf dem Film am Tag danach im Nationalparkmuseum über die Müllsammlung am Strand.


Ihr könnt es glauben oder nicht, während ich diese Zeilen schreibe, macht alles immer noch rauf und runter - ich sitze aber auf festem Sofa in unserem RV - 7 Stunden später.


(Falls ihr Bilder sehen wollt, geht auf die Padlets von Madlaina udn Anna-Lena)


(Renato)






 
 
 

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1 Kommentar


r.lienhart
11. Mai 2025

😂🤩

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