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Ein Land mit so vielen Landschaften

  • renatowinteler2
  • 16. Mai 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Fragt nicht, wie lange es her ist, seit unserer Erholung am See im Okanagan Valley. Sooo vieles haben wir seither wieder gesehen, dass es schwierig ist, den Kalender im Griff zu behalten.


Das Okanagan Valley haben wir südwärts befahren und anfänglich parallel zur Hauptstrasse während mehreren Kilometern passiert, um an einem sehr natürlichen Gebiet zu birden.


Da wir unsere visuellen Sichtungen gerne mit Merlin bestätigen lassen, war die Aufgabe insofern etwas erhöht, da in der Region eine Satellitenstation dazu aufforderte, alle elektronischen Geräte auszuschalten.


Weiter war dadurch auch die Navigation über das Handy so eingeschränkt, dass wir nebst den Nebenstrassen auch die eine oder andere Sackgasse kennenlernen durften. Aber immerhin doch auch beeindruckend, dass am Ende jeder Sackgasse jemand sein Häuschen bewohnt - und zwar sehr weit weit von der - aus unserer Sicht - Zivilisation. Über unsere ornithologischen Ausbeute schreibe ich gerne in einem Spezialblog für Interessierte.


Vorstellen kann man sich das Okanaganvalley im Süden etwa wie das Wallis. Wasser mit Sumpfgebiete in der Talsohle und Felsensteppe an den Hängen. Also eine sehr beeindruckende, trockene Landschaft.


Noch beeindruckender wurde sie dann an der Grenze zu den Staaten. Manche sprechen hier vom nördlichsten Ausläufer der mexikanischen Wüste. Das trifft wissenschaftlich nicht ganz zu, vom Gefühl her trifft es aber auf den Punkt. Wüstenähnliche Landschaften, ständig leckt man sich die Lippe, sucht den nächsten Schatten und versichert sich regelmässig, dass die Trinkflasche nicht leer ist.


In einem tollen Museum konnten wir uns länger mit der Leiterin austauschen und was sie zu berichten hatte, war sehr spannend und stimmt wieder einmal nachdenklich. Im 22 hat hier ein Feuer mehr oder weniger den ganzen Westwald zerstört und nur aufgrund eines Windwechsels wurde die Stadt Ossoyos verschont. Alle BewohnerInnen sind zu jeder Zeit darauf vorbereitet, die Stadt im Falle eines Brandes zu verlassen. Die besagte Person war seither nie wieder in der verbrannten Region spazieren, zu stark sind die Schmerzen an den verlorenen Lebensraum.


Bei der Weiterführung von Andreas Artenlisten und dem Portraitieren dieser, kommen nun auch deutlich die mehr oder weniger gleichen Probleme wie in der Heimat zur Sprache. Viele Tierarten kommen stark unter Druck aufgrund von Lebensraumverlust und/oder Klimaveränderungen.


Im Anschluss an die Wüste führten uns die Strassen nach Osten, immer mehr oder weniger der Grenze entlang, durch hügliges Kulturland nach Nelson. Dies ist eine Stadt, welche vollständig niedergebrannt war und im Anschluss anstelle von Holz mit Backsteinen aufgebaut wurde. Mehrere Kanadier schwärmten von dieser "europäisch" gebauten Stadt. Vielleicht sind wir schon zu lange in Kanada und haben vergessen, wie es in Europa aussieht aber so eher nicht:-)


Damit wir nicht einfach nur Autobahn rasen mussten, fuhren wir um den Lake Kootenay, welchen wir in der Hälfte mittels Fähre passieren konnten. Wir staunten nicht schlecht, als wir erfuhren, dass diese Fähre komplett gratis war. Auf der 50minütige Fahrzeit sahen wir die schöne Wildnis Kanadas. Am Ufer gab es einfach keine menschliche Spuren.


Um nicht am Stück nach Kimberley durchfahren zu müssen, gingen wir am Südende vom See birden. Eine Landschaft, die man sich kaum vorstellen kann. Eine Verlandungszone mit so vielen Lebensräumen etwa hundert Mal so gross wie zum Beispiel das Neeracher Ried oder das Rheindelta. Wenn man darin steht, dann gibt es kein Geräusch nicht natürlicher Herkunft. Ich glaube für alle Familienmitglieder ein sehr beeindruckender und bleibender Moment.


Allzu lange durften wir hier leider nicht verweilen, da wir am Abend für einen OL in Kimberley (+170km) angemeldet waren. Über OL wird wohl in Kürze ebenfalls ein Spezialblog kommen. Kimberley ist von der Landschaft her sehr mit unserem Jura zu vergleichen. Offene Weiden, immer leichter kühler Wind, Pferde mit wehender Mähne am Grasen und mehrheitlich lockere Nadelwälder. Dieser Zeltplatz mitten in der Natur gehört zu einem unserer Topfavoriten, müssten wir einen Reiseführer schreiben.


Tags darauf war ein Museum in Fort Steele geplant, welches das Leben vor 100 Jahren im "wilden Westen" mit SchauspielrInnen usw. dargestellt hätte. Ja, hätte. Es war leider geschlossen, aufgrund eine Waldbrandes, welcher Teile niederbrannte. Die Homepage war für uns zu wenig verständlich um das zu verstehen, weshalb wir etwas enttäuscht waren.


Dafür hatten wir etwas mehr Zeit für unsere lange Reise in den Osten. Wir verliessen British Columbia über den Crownsnest Pass nach Alberta. Um dies zu würdigen, machten wir auf der Passhöhe eine kleine Joggingrunde und genossen die herrliche Landschaft. Anschliessend ging es weiter durch die Foothills, eine weiche hügelige Landschaft hinaus in die Prärie.


Südalberta war jetzt eine richtig krasse Landschaft. "Topfeben" und kilometerlange Felder oder Weiden. Das Auge fand keinen Fixpunkt mehr, das GPS gab an, 51km dem Streckenverlauf zu folgen und so fuhr man 51 km schnurgeradeaus durch diese intensivste, monotone Landwirtschaft, ohne ein Dorf, Kreuzung oder irgendetwas.


Nur der Motor vom TD dröhnte im Kopf und die im Rückspiegel auftauchenden Riesenlastwagen (z.T drei Anhänger), welche irrsinnig schnell vorbeibrausten, hielten die Aufmerksamkeit etwas hoch. Zum ersten Mal blieben die Windschutzscheiben etwas weniger schmutzig durch Fluginsekten - was ich jetzt nicht nur so gut finde.


Auf dieser Reise durchquerten wir Windparks. Hunderte von riesigen Windturbinen standen in dieser unendlichen Ebene - und dazwischen fuhr die Eisenbahn ,welche mit über 30 Ölwagen die aktuelle Energiesituation in Canada gut spiegelte.


Nachträglich vielleicht etwas froh, hatten wir genügend Zeit, diese öde Landschaft nur zu durchqueren und nicht noch darin zu übernachten. So verlangsamten wir unsere Fahrt südlich von Brooks beim Lake Kane, die Weiden wurden wieder wilder, Vögel flogen wieder über die Strasse - und, als hätten wir das Tor zu Eden durchquert, kamen wir auf einen Zeltplatz, auf dem das Leben nur so spross. Wir stiegen nach rund 2 Stunden Fahrt und Motorendröhnen aus unserem TD und die Luft war gefüllt durch Vogelgezwitscher, duftenden Blüten und sanft rauschenden Wellen.


Nach den Strapazen der Prärie eine Wohltat für Körper, Seele und Geist. Eine Stunde in einer solchen Landschaft und es fühlt sich an wie eine Woche Ferien. Die ganze Familie ging tags darauf joggen, noch etwas birden, bis wir uns schliesslich zu unserem eigentlichen Ziel aufmachten - dem Tal der Dinosaurier.


Es ist schwer vorstellbar. Du fährst mit deinem Mobil durch unendliche Ebenen, erahnst vor dir eine Art Flusstal und abrupt bricht die Ebene ab und ein kaum zu fassendes Bild einer unvorstellbaren Mondlandschaft tut sich auf. Wie durch Canyons mäandrieren die Bäche und Flüsse zwischen den auftürmenden Zeugen der geologischen Vergangenheit.


Der Red Deer, ein Fluss, hat sich tief in die Prärie eingefressen und hat so diese bizarre Landschaft geschaffen. Tal der Dinosaurier (UNESCO Weltkulturwerbe) kommt daher, da durch die Erosion der verschiedenen Gesteinsschichten, die urzeitlichen Gegebenheiten zu Tage getragen werden und sich wie auf einem Tablett servieren.


Die Eindrücke dieser Landschaft, die Farben der Gesteine in der Abendsonne, die Grösse der anwesenden Schlangen, die Hitze in den Sanddünen und die Heftigkeit von Hagelstürmen werden wir nicht so schnell wieder vergessen.


Anschliessend besuchten wir das Tyrell Museum, das wohl weltweit grösste Dinosauriermuseum. Wir blieben sage und schreibe ganze fünf Stunden darin - und verliessen es nur, weil wir noch bis Calgary durchfahren mussten. Das Tyrell Museum ist fantastisch. Wunderbar präparierte Dinosaurier, eine ungemein verständliche Schilderung und Darstellung der Entstehung der Arten auf unserem Planeten. Einfach von A-Z genial!


Und eben, gleichentags fuhren wir noch durch bis Calgary, wo wir aktuell bis morgen hausen und uns noch richtig verabschieden möchten, für die schöne Zeit im Januar hier (Es ist aktuell etwa gleich kalt wie damals, und am gestrigen OL-Training kam ein ziemlicher Sturm vorbei - also allzu viel Versöhnung gibt es wohl (noch) nicht.)


Morgen geht es dann in Richtung Edmonton weiter, wo uns am Wochenende die Alberta Championships im Orientierungslaufen erwarten.

(Renato)




 
 
 

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